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Wendt und Kühn - die feine deutsche Handarbeit im Wandel der Zeit


Wir haben uns für Sie in ausgewählten Abteilungen der Manufaktur umgeschaut und zeigen Ihnen in verschiedenen Zeitfenstern, wie sich die Arbeit seit der Werkstattgründung verändert hat - oder auch nicht.


Die Dreherei - Von der Transmission zur Elektronik


Dreherei von Wendt und Kühn in den 1920er JahrenSchaut man in die Dreherei der Grünhainichener Werkstätten Wendt und Kühn, so begegnen einem noch heute drei Generationen der Technik auf engstem Raum vereint: Handdrehbänke, Halbautomaten mit Fassoneisen und Vollautomaten.

 

 

 

 

 

 


 


Dreherei von Wendt und Kühn in den 1960er JahrenMit Handdrehbänken fing 1917 alles an. Angetrieben wurden alle Drehbänke von einem einzigen großen Motor, dessen Kraft über riesige Transmissionsriemen übertragen wurde. Denn bei aller Liebe zur Handarbeit spielte die moderne Technik bei Wendt und Kühn schon immer eine wichtige Rolle. Hier spiegelt sich die Philosophie von Gretes Vater Albert Wendt wieder. Sein Bestreben war es, die Arbeit durch die Nutzung von Kraftquellen zu erleichtern, um nicht nur die Produktivität, sondern auch die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

 

 

 


Dreherei von Wendt und Kühn in den 1990er JahrenSo gibt es heute in der gesamten Dreherei hochmoderne Späneabsauganlagen, die strengen Arbeitsschutzanfor-derungen genügen. Früher wurden die Späne nach Arbeitsschluss von Hand zusammengekehrt und mit einem großen Tragekorb zum Spänebunker transportiert.

 

 

 


 


Dreherei von Wendt und Kühn 2010Doch bei aller modernen Technik, die in den letzten 95 Jahren in den Werkstätten Einzug gehalten hat, ist das wichtigste Werkzeug nach wie vor die Kunstfertigkeit der Drechsler. Ob beim Hohldrehen der Röcke für die Knaulfrauen oder beim Drechseln der millimeterkleinen Löckchen für die Engelwinzlinge - erst das hohe handwerkliche Können der Drechsler macht die Figuren von Wendt und Kühn unverwechselbar. Heute genauso wie vor 95 Jahren.

 

 

 


Die Leimerei - Von Pendelleuchten und Knochenleim


Leimerei von Wendt und Kühn in den 1920er JahrenBetrachtet man die Bilder, so scheint es, als hätten sich in der Leimerei über die Zeit nur die Schürzen der Arbeiterinnen verändert. Noch immer sitzen fleißige Frauen hochkonzentriert vor gut sortierten Horden mit unzähligen kleinen Teilen, die alle mit flinken Fingern präzise zu lieblichen Figuren zusammengefügt werden. Und selbst die Figuren sind noch die gleichen wie vor vielen Jahrzehnten!

 

 

 

 

 


Leimerei von Wendt und Kühn in den 1960er JahrenAuf den zweiten Blick erschließt sich jedoch eine ganze Reihe von Veränderungen, die vor allem die Arbeitsbedingungen bedeutend verbessert haben. Warf zum Beispiel in den 1920er Jahren eine Pendelleuchte ihr karges Licht auf die langen Arbeitstische, so sorgt heute eine moderne Beleuchtungsanlage für beste Sicht. Tische und Stühle sind höhenverstellbar, sodass sich auch der Rücken nach getaner Arbeit noch wohlfühlt. Saßen die Frauen früher dicht an dicht, so sind die Arbeitsplätze heute aufgelockert, hell und luftig. Apropos Luft: Auch die ist heute viel besser. Deutlich ist die Erinnerung an den durchdringenden Geruch des Perlleims - im Volksmund 'Knochenleim' genannt -, der zäh über den Arbeitstischen lag. Die Leimperlen mussten im heißen Wasserbad verflüssigt werden, wobei jener seltsame Geruch entstand, gegen den auch das stärkste Kölnischwasser chancenlos war. Der heute verwendete Kaltleim riecht dagegen eigentlich ganz angenehm!


Leimerei von Wendt und Kühn in den 1990er JahrenUnd wo kommen die winzigen Teilchen her, die von flinken Frauenfingern zu Figuren verleimt werden? Gleich neben der Leimerei gibt es ein Lager, in dem moderne Stapelbehälter mit Tausenden von Rohteilen warten. Früher befand sich das Rohteillager auf dem Dachboden, einen Aufzug gab es nicht und jeder Karton fasste auch nur ein paar Hundert Teile. Also hieß es für die fleißigen Damen aus der Leimerei immer treppauf, treppab zu flitzen.
 



 

Leimerei von Wendt und Kühn 2010Eines jedoch ist bei allen Veränderungen seit den Anfangstagen unverändert geblieben: Wenn sich Körper, Ärmchen, Beinchen, Kopf und Löckchen zu einem Engel zusammenfügen, dann sind die Handgriffe genau die gleichen wie 1923.

 

 

 


 

 


Die Malerei - Von Kleidchen und Frisuren


Weihnachten in der Malerei von Wendt und Kühn Ende der 1920er JahreBeim Blick durch die Zeitfenster zeigt sich, dass sich nicht nur die Frisuren der Malerinnen über die Jahre geändert haben, sondern auch die Haarfarben der Engel! Ursprünglich hatte Grete Wendt einmal festgelegt, dass zu einem Engelorchester 70% blonde und 30% dunkelhaarige Engel gehören sollten. Doch im Laufe der Jahrzehnte fragten immer mehr Kunden nach den Engelchen mit dunklen Haaren - und so liegt das Verhältnis heute meist bei 50:50.

 

 

 

 


Malerei von Wendt und Kühn in den 1950er JahrenFrisiert und bekleidet werden die fröhlichen Himmelsmusikanten in der Malerei. Die Kleidchen, welche die Malerinnen den Engeln und Blumenkindern mit flottem Pinselstrich auf den Leib schneidern, sehen heute noch genau so aus, wie sie Grete und Olly Wendt vor vielen Jahren entworfen haben. Und auch die Arbeitsgänge, bis die kleinen Gesellen neugierig und munter in die Welt schauen können, sind die gleichen. Was einst mit fünf Malerinnen begann, hat sich im Laufe der letzten neuneinhalb Jahrzehnte zu einer der wichtigsten Abteilungen der Werkstätten entwickelt.

 

 


Malerei von Wendt und Kühn in den 1990er JahrenInsgesamt verleihen heute 69 Frauen Tag für Tag den Holzfiguren Anmut und Farbe. Dabei stützen sie sich auf die überlieferten Vorgaben von Grete und Olly Wendt - nicht nur, was die Gestaltung der Figuren betrifft, sondern auch die genaue Zusammensetzung der Farben und Lacke. Früher mischte jede Malerin ihre Farben selbst. Grete und Olly Wendt hatten dabei stets ein wachsames Auge auf die Farbtöpfe, denn die Farbtöne mussten genau stimmen. Heute übernimmt der Meister diese wichtige Aufgabe, denn viele Farben werden noch immer von Hand in unseren Werkstätten gemischt. Einige Spezialfarben jedoch, wie zum Beispiel das Grün der Flügel oder die Hautfarbe, werden bereits fertig vom Lackhersteller geliefert.


Malerei von Wendt und Kühn 2010Bis eine Malerin ihr Handwerk perfekt beherrscht, vergehen zwei bis drei Jahre. Gute Arbeit verlangt natürlich nach gutem Lohn - was früher 'Groschenarbeit' war, wird heute zu Recht gut bezahlt. Und auch die Arbeitsbedingungen haben sich in den letzten 95 Jahren stark gewandelt. So sorgen z.B. moderne Lüftungsanlagen für ein gesundes Raumklima.

 

 

 

 

 


Der Vertrieb - Von Grünhainichen in die Welt


Der erste Messestand von Wendt und Kühn 1917 in LeipzigDie Engelchen von Wendt und Kühn flogen schon in frühen Jahren gerne in die weite Welt und zeichneten sich seit Anbeginn durch ihre Weltoffenheit aus - und sie wurden ebenso wie ihre Schöpferin Grete Wendt in aller Welt mit offenen Armen empfangen. So exportierte das junge Unternehmen schon kurz nach der Gründung in eine Vielzahl teilweise exotischer Länder - neben den USA, Kanada, Schweden, Norwegen und Holland belieferte Wendt und Kühn sogar Händler in Südafrika, Tunesien, Ägypten, Brasilien, Haiti, Indien, Mexiko, Marokko und in der Türkei. Selbst in die Mongolei, nach Kenia, Argentinien, Kongo, Ceylon, Zypern, Israel, Kuba, Libanon, Peru und Uruguay bestanden Geschäftskontakte.

 

Der Messestand von Wendt und Kühn im Petershof auf der Leipziger Messe in den 1930er JahrenDie Inflation in den 1920er Jahren brachte einen ersten Einbruch im Exportgeschäft, der durch den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen noch verschärft wurde. Zu DDR-Zeiten ging ein Großteil der Produktion nach Westdeutschland. Nach 1990 konnte Wendt und Kühn viele der teils jahrzehntealten Kontakte erfolgreich wiederbeleben. Heute schweben die Engel aus den Werkstätten von Wendt und Kühn wieder hinaus in zahlreiche Länder der Erde: in die USA, nach Kanada, Venezuela, Singapur, Spanien, Russland, Japan und Australien sowie nach Schweden, Norwegen, Großbritannien, die Niederlande, Belgien, Liechtenstein, Frankreich, Italien, Österreich, in die Schweiz, nach Polen und sogar bis nach China.


Moderner Auftritten Wendt und Kühn zur Leipziger Messe in den 1960er JahrenNeben dem Knüpfen persönlicher Kontakte zu engagierten Händlern dienten Messen schon immer als wichtiges Fenster zur Welt. Die Leipziger Messe - als weltweit älteste Mustermesse fast vor der Haustür gelegen - war dabei von Anfang an einer der bedeutendsten Marktplätze. Bereits im Frühjahr 1916, kurz nach der Gründung des kleinen Unternehmens, stellte Grete Wendt ihre Erzeugnisse zum ersten Mal auf der Leipziger Messe aus. Noch nie zuvor waren kunstgewerbliche Produkte dieser Art auf einer Messe gezeigt worden - es war eine echte Neuheit, die in vielen Zeitschriften mit großer Beachtung und Aufmerksamkeit gewürdigt wurde. Grete Wendt verfasste rückblickend auf den aufregenden Messebesuch in Leipzig einige bewegende Zeilen: "...Obwohl man unserem jungen Unternehmen schon manch freundliches Interesse entgegengebracht hatte, zogen wir doch mit einiger Beklemmung und Sorge mit unseren Erzeugnissen auf diesen großen Markt. Ob unsere Sachen wohl Aufnahme finden würden? Der Grundgedanke unserer Arbeit und Bestrebungen ist der, im eigenen Betrieb entworfene Gegenstände technisch so auszuprobieren, dass sie nicht als sogenannte 'kunstgewerbliche Einzelgegenstände' angefertigt werden, sondern dass wir sie als fabrikmäßige Ware fabrizieren und dadurch preiswert in den Handel bringen können. Wir hofften nun, auf dieser Messe hauptsächlich das Bedürfnis und die Meinung des Publikums kennenzulernen und zu hören, ob wir auf dem richtigen Weg sind. An Aufträge wagten wir kaum zu denken. Im 2. Stockwerk des 'Städtischen Kaufhauses' hatten wir unseren Messeplatz... Gleich am ersten Tage merkten wir zu unserer großen Freude, dass unseren Sachen lebhaftes Interesse entgegengebracht wurde. Es fand sich ein Besteller nach dem anderen ein und an den darauffolgenden Tagen kam es mitunter zu Anstürmen, sodass wir vollauf in Anspruch genommen waren mit Auskunftgeben, Entgegennehmen von Bestellungen, Besprechungen usw. Die Abwicklung all dieser Geschäfte gestaltete sich viel angenehmer als wir vorher dachten...


Dankschreiben zum 100. Ausstellungsjubiläum von Wendt und KühnUnsere Sachen lenkten die Aufmerksamkeit der Einkäufer deshalb auf sich, weil sie ihnen neu waren. Auffallend oft wurden wir gefragt: 'Sind das Münchner Erzeugnisse oder ist das ein Berliner Fabrikat?' Wir haben natürlich immer mit Genugtuung darauf hingewiesen, dass wir unsere Sachen im Erzgebirge herstellen und dass unsere Hauptartikel sogar Spezialitäten der erzgebirgischen Holzindustrie sind..."


Diese Freude der Einkäufer und Kunden an den Figuren von Wendt und Kühn ist seit mittlerweile 95 Jahren ungebrochen. Und so ist die Leipziger Messe für unsere Manufaktur noch heute ein bedeutender Marktplatz. Aber auch auf den großen Leitmessen in Frankfurt und Nürnberg ist Wendt und Kühn seit vielen Jahren vertreten. Selbst in Amerika werden die Figuren aus Grünhainichen Jahr für Jahr präsentiert, insbesondere auf dem 'AmericasMart' in Atlanta, wo wichtige Kontakte zu Kunden in den USA aufgebaut und gepflegt werden. Auch früher spielten Auslandsmessen eine wichtige Rolle für den internationalen Vertrieb - von Präsentationen in Monza, Utrecht und Agram (dem heutigen Zagreb) bis hin zur unvergessenen Weltausstellung in Paris 1937, wo der große Engelberg mit Madonna mit einer Goldmedaille und einem Grand Prix geehrt wurde.

Messestand von Wendt und Kühn 1996 auf der Leipziger Messe Cadeaux

 

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