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Die Wiege von Wendt und Kühn - vom Verlegerhaus zur Manufaktur


Waren Sie schon einmal zu Besuch am Stammsitz der Firma Wendt und Kühn? Dann werden Sie sich sicher an das idyllische Fachwerkhaus erinnern, in dem seit über 90 Jahren das Herz der Grünhainichener Werkstätten schlägt.


Eine Handzeichnung beschreibt das spätere Verlegerhaus von Wendt und Kühn in einer Rückansicht (um 1830)Doch die Geschichte des Hauses reicht bis in die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. Die Holzkunst spielte in den altehrwürdigen Mauern von Anfang an eine wichtige Rolle. Wir möchten Sie auf eine kleine Zeitreise durch dieses historische Gemäuer entführen - Sie werden staunen, wie viele Geschichten die alten Wände zu erzählen haben!

 

 

 

 



Die wohl älteste fotografische Aufnahme dokumentiert das heutige Stammhaus von Wendt und Kühn noch als Verlegerhaus der Firma Carl Weber (um 1870)Erbaut wurde das Fachwerkhaus etwa im Jahr 1830 durch den Holzspielzeug-Verleger Carl Weber. Das ursprüngliche Haus war viel kleiner und bestand nur aus dem mittleren Teil des jetzigen Gebäudes. Im Laufe der Jahre erweiterte Weber den Bau durch Anbauten nach beiden Seiten und das Haus nahm nach und nach seine heutige Gestalt an. Der erste Anbau erfolgte vermutlich bereits im Jahr 1844 - darauf verweist eindrucksvoll die Jahreszahl im linken Türstock. Schon damals war Grünhainichen ein bekanntes Spielzeugdorf. Unzählige Heimarbeiter und kleine Handwerksbetriebe aus der Umgebung fertigten Puppenhäuser, Kaufmannsläden und Archen, die dann mit kleineren Figuren und Tieren bestückt wurden. In Körben und Kiepen, auf Karren und Wagen brachten die Handwerker ihre Waren zu den Verlegern. Als Verleger bezeichnete man jene Handelshäuser, welche die Waren von den einzelnen Handwerkern aufkauften und auf Märkten, wie auf dem Striezelmarkt in Dresden, und Messen - unter anderem in Leipzig und Nürnberg - anboten bzw. in alle Welt vertrieben.


Wendt und Kühn - Der Grundriss mit den geplanten Umbauten von 1916Anfang des 20. Jahrhunderts hatte das alte Weber'sche Spielwarenversand- und Lagerhaus einige Jahre leer gestanden und sollte eigentlich schon abgerissen werden - zumindest strebten einige Grünhainichener Bürger dies an, denen die Verschönerung des Ortes am Herzen lag. Grete Wendt war nach ihren Erfolgen bei Messen und Wettbewerben sowie der daraus resultierenden Nachfrage nach ihren Entwürfen auf der Suche nach einem geeigneten Gebäude, wo sie ihre Figuren fertigen konnte. Da fiel ihr das alte Verlegerhaus im Ortszentrum von Grünhainichen auf, das sie 1915 käuflich erwarb.


Im heutigen Verkaufsraum hatte die Malerei in den Anfangsjahren ihr Domizil -  Wendt und KühnDurch den langen Leerstand war das Gebäude dem Verfall nahe und trotz großer finanzieller Unterstützung ihres Vaters Albert Wendt war die Aufnahme eines Kredites unumgänglich. Da das Gebäude bisher als Lagerhaus gedient hatte, musste ein zweckentsprechender Umbau stattfinden, um Wohn- und Produktionsräume zu schaffen. Weil das Geld in den Anfangsjahren des Unternehmens knapp war, war man froh, dass man einen Teil des Inventars übernehmen konnte, unter anderem Regale und Schränke mit Schubkästen. Sogar ein kleines, vollständig eingerichtetes Kontor war vorhanden. Grete Wendts langjähriger Wunsch ließ sich endlich umsetzen und alle Arbeiten konnten in der eigenen Werkstatt ausgeführt werden. Bisher fertigte sie die Figuren in der Wohnung der Eltern oder in den Räumen der Gewerbeschule, deren Direktor ihr Vater damals war (siehe elfpunktepost Herbstausgabe 2007). Nun war jedoch gerade die Zeit des Ersten Weltkrieges, und als junge Frau war es von Grete Wendt besonders mutig, ein solches Unterfangen in Angriff zu nehmen. Doch sie hatte den großen Schritt gewagt und das junge Unternehmen zog zu Pfingsten 1917 in das Gebäude ein.


Wendt und Kühn - Neben dem Fachwerkhaus befand sich damals das HolzlagerIm Erdgeschoss, dort wo jetzt unser Laden seine Besucher empfängt, befanden sich damals ein kleines Kontor, die Malerei und die Leimerei. Im heutigen Musterzimmer bzw. einem Teil des heutigen Versandes waren die Arbeitssäle mit Holzbearbeitungsmaschinen und der Zuschnitt untergebracht. Kaum vorstellbar, wie eng es in jener Zeit in den Werkstätten zugegangen sein muss! Das Obergeschoss blieb damals ausschließlich Wohnräumen vorbehalten, während sich im Dachgeschoss Schlaf- und Abstellzimmer, aber auch einige Lagerräume befanden.


Aufgrund der positiven Entwicklung der kleinen Firma kamen in den Anfangsjahren immer neue Erweiterungsbauten hinzu. Ab 1924 erfolgte der Bau eines neuen Produktionsgebäudes, das sich an das Fachwerkhaus anschloss. Auch das Herzstück der Firma, unser Musterzimmer, wurde in dieser Zeit eingerichtet und damals gleichzeitig als Büro genutzt.


Wendt und Kühn - Für den Warentransport reichten bereits 2 PSBis zum Krieg wuchsen die Werkstätten immer weiter an und dann stand auch die Firma Wendt und Kühn mitten in den Wirren des 2. Weltkriegs. Im gesamten Haus wurden 22 Flüchtlinge aufgenommen; viele von ihnen kamen aus dem Baltikum, da Olly Wendt, die übrigens mehr als 60 Jahre lang im Fachwerkhaus wohnte, aus Riga stammte. Also hieß es noch enger zusammenrücken und das wenige verfügbare Essen miteinander teilen. In der Holzdecke des Flures im Obergeschoss, die wie das Treppengeländer von Grete Wendts Vater Albert geschaffen wurde, wurden Lebensmittel versteckt, ebenso wie im Musterschrank, wo man später Wein und Likör fand (darüber berichteten wir in der Frühjahrsausgabe 2008). Auch zwei russische Offiziere brachte man nach Kriegsende im Gebäude unter.

 

Wendt und Kühn - Grete Wendt in ihrer Wohnung (ca. 1935)

Grete Wendt in ihrer Wohnung in der 1. Etage des Fachwerkhauses (ca. 1935). Nach dem Umbau im Jahr 1997 bezog hier Tobias Wendt sein Büro.


Wendt und Kühn - Erweiterungsplan für einen Kohlebunker sowie einen 'Arbeitsraum für Hilfsmaschinen (um 1920)Nach dem Krieg herrschte bis in die 1980er Jahre eine schwierige Wohnungssituation. Auch die Firma Wendt und Kühn bekam die Auflage, entsprechende Wohnräume für die Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Und so wurde das Gebäude im Laufe der Jahre als Wohnraum an verschiedene Familien vermietet. Auch Hans Wendt wohnte mit seiner Familie hier.


Im Jahr 1980 wurde das Gebäude in die Zentrale Denkmalliste aufgenommen. Um die wertvolle historische Bausubstanz des alten Fachwerkhauses zu erhalten, waren Sanierungsmaßnahmen unumgänglich. Zu DDR-Zeiten ließen sich die notwendigen Baumaterialien jedoch nur sehr schwer beschaffen, da diese aufgrund der herrschenden Mangelwirtschaft von staatlicher Seite zugeteilt wurden.


Die Dreherei von Wendt und Kühn (um 1920)Mit der Wende und der Reprivatisierung des Unternehmens konnten ab 1990 endlich auch dringende Werterhaltungsmaßnahmen am Gebäude realisiert werden. Wie schön es doch war, dass sämtliche Baumaterialien frei verfügbar waren und man nicht mehr auf die Zementzuteilung warten musste! Und so begannen ab 1990 umfangreiche Sanierungs- und Umbauarbeiten, die sich über das gesamte folgende Jahrzehnt erstreckten. Zuerst wurde der Sanitärbereich und das Treppenhaus erneuert. Auch der ursprünglich über der Eingangstür befindliche Namenszug 'Wendt & Kühn 1916' wurde wieder sichtbar gemacht. Der Inhaber der von Wendt und Kühn mit den Sanierungsarbeiten beauftragten Baufirma, Klaus Hoppe, hat persönlich den Türsturz bearbeitet und so lange ausgekratzt, bis der alte Porphyrstein mit den Insignien wieder zum Vorschein kam. Herr Hoppe ist jetzt Bürgermeister von Grünhainichen und er erinnert sich noch heute gern an diese Begebenheit: "Immer, wenn ich am Stammhaus von Wendt und Kühn vorbeilaufe, freue ich mich, wenn ich die freigelegte Inschrift sehe," sagt er schmunzelnd.


Wendt und Kühn - Werkstatt am grünen (Birken-)Hain1997 begann dann die völlige Rekonstruktion des denkmalgeschützten Gebäudes unter Leitung des Architekten Jan Brückner. Zunächst wurden die Grundmauern nach neuesten technischen Möglichkeiten trockengelegt, anschließend die gesamte Dachfläche saniert und die Außenfassade restauriert, was auch eine teilweise Erneuerung des Fachwerks und des Putzes mit sich brachte. Neue Fenster wurden eingesetzt, selbstverständlich nach Originalvorlagen. Auch neue Fensterläden im typischen Wendt und Kühn-Grün kamen hinzu. Es wurde die Verbindung zum 1924 entstandenen Mittelbau erneuert, ebenso die gesamte Elektrik und Telekommunikation und die Heizungsanlage, die zunächst auf Öl und später auf Gas umgestellt wurde. Die ehemaligen Büroräume im Erdgeschoss wurden in die obere Etage verlegt. Die frei gewordenen Räume im Erdgeschoss wurden zu Geschäftsräumen mit Lager umgebaut und auch ein Arbeitsraum für das Verkaufspersonal und eine kleine Reparaturabteilung entstanden. Ebenfalls neu gestaltet wurde das Musterzimmer. Passend zum großen Musterschrank wurden neue Vitrinen angefertigt, da die vielen Muster selbst im großen Musterschrank nicht mehr alle Platz fanden.

Die neue alte Tür des Fachwerkhauses von Wendt und KühnBei der gesamten Rekonstruktion und Modernisierung wurde größter Wert auf den sorgsamen Umgang mit der wertvollen historischen Substanz gelegt - schließlich haben wir es mit einem denkmalgeschützten Gebäude zu tun. Der Gestalter Ralf Brenner aus Zschopau brachte die historischen Vorgaben und die denkmalschützerischen Auflagen behutsam miteinander in Einklang und erstellte ein Konzept für die Bewahrung des Alten in Kombination mit sorgfältig ausgewählten Ergänzungen in Bezug auf Farben und Materialien.


 


Wendt und Kühn - Mit dem Umbau 1997 wurde auch ein moderner Verkaufsraum eingerichtetWichtige historische Details wurden erhalten, was sich zum Beispiel in der Gestaltung und Farbgebung der neuen Türen und Geländer widerspiegelt. Angestrebt wurde eine größtmögliche Harmonie zwischen Farbgebung bzw. Gestaltung und der funktionellen Eignung. So findet man im Erdgeschoss hochwertige Steinfußböden, wohingegen im Bürobereich strapazierfähiger Textilbelag verlegt ist.

 

 


Wendt und Kühn - Noch sichtlich 'gezeichnet' stellt sich die Fassade im Frühsommer 1997 während der Rekonstruktion darAuch den Außenanlagen wurde große Aufmerksamkeit gewidmet, um ein stimmiges Gesamtbild zu erzielen. So flankieren heute wieder - wie schon vor vielen Jahrzehnten - zwei Birken die Eingangstür. Ein grüner Holzzaun, hinter dem sich wie früher blühende Ziergewächse verstecken, kennzeichnet die Grundstücksgrenze zur Straße. Die gesamte Rekonstruktion und Modernisierung war geprägt von einem hohen Anspruch zur Schaffung und Bewahrung einer charakteristischen Unternehmensarchitektur. Die Firmenfarben, insbesondere das typische Wendt und Kühn-Grün, spielten bei der Konzeption eine wichtige Rolle. Und so wurde der Charakter des fast 180 Jahre alten Hauses mit viel Feingefühl an die erzgebirgische Landschaft, das Grünhainichener Ortsbild und an die Gegebenheiten der neuen Zeit angepasst - damit das Haus heute wie in alten Zeiten ein Treffpunkt für alle Menschen sein möge, die das Schöne lieben und das Wertvolle zu schätzen wissen. Bei Künstlern und Kulturschaffenden war das Stammhaus von Wendt und Kühn zu jeder Zeit ein beliebter Ort der Begegnung - von Helene Weigel und Hedwig Bollhagen über den Dresdner Kreuzkantor Prof. Rudolf Mauersberger bis hin zum kürzlich verstorbenen Hans Brockhage. Seit den 1930er Jahren kamen Journalisten und Filmteams besonders zur Weihnachtszeit immer wieder gern ins Haus der Engel und das ist bis heute so geblieben. Und natürlich ist uns in diesem altehrwürdigen Gemäuer jeder Gast willkommen, der die Geburtsstätte der weltberühmten Grünhainichener Engel einmal mit eigenen Augen sehen möchte.
 

 

Das Fachwerkhaus von Wendt und Kühn an der Chemnitzer Straße 40 in Grünhainichen

Geschichtsträchtiger Bau - Wenn das Fachwerkhaus an der Chemnitzer Straße 40 in Grünhainichen erzählen könnte, dann wäre sowohl die spannende Geschichte einer traditionsreichen Manufaktur zu hören als auch die über das bewegte Leben der Inhaberfamilie Wendt.

 

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