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Von Angesicht zu Angesicht miteinander verbunden


So wie die Engel, die sie bemalt, kennen wir auch Beate Zeun: Liebenswürdig und lebensfroh. Seit über 30 Jahren sorgt sie mit feinem, geübten Pinselstrich dafür, dass die Engelchen von Wendt und Kühn ihr unverwechselbares Gesicht erhalten. Im Interview verrät sie uns, dass diese Arbeit schon immer ihr großer Traum war - und sie erzählt, wie sie mit einem alten Motorrad und einer gehörigen Portion Glück und Beharrlichkeit ihre Träume verwirklichte.


Wie sind Sie zu Wendt und Kühn gekommen?

Daran kann ich mich noch ganz genau erinnern. Meine Tante hatte eine kleine Musikantenengelgruppe von Wendt und Kühn - die fand ich schon immer wunderschön. Und da ich seit meiner Kindheit gerne male, hatte ich mir in den Kopf gesetzt, eines Tages diese Figuren selbst zu bemalen. Doch als es dann an die Vergabe der Ausbildungsplätze ging, stellte ich fest, dass Wendt und Kühn - damals noch VEB Werk-Kunst - nur eine einzige Lehrstelle ausgeschrieben hatte. Sofort fuhr mich mein Vater mit seinem alten Motorrad - einer MZ 150er ES - nach Grünhainichen. Hier habe ich Hans Wendt das erste Mal gesehen und sofort achten gelernt. Er führte ein kurzes Gespräch mit mir und gab mir auch gleich eine mündliche Zusage - ich war überglücklich! An diesem Tag sah ich auch zum ersten Mal den großen Musterschrank. 1979 gab es noch keine Möglichkeit, die ganze Vielfalt der Figuren in einem Geschäft zu sehen oder gar zu kaufen. Und so war ich einfach nur fasziniert. Meine Ausbildung machte ich in der Berufsschule in Seiffen. Mein Chef hatte für mich ein Privatquartier auf dem Schwartenberg organisiert. Ich wohnte bei einem älteren Ehepaar, Familie Schlieder. Der viele Schnee in dieser Höhenlage wurde uns oft zum Verhängnis. Manchmal reichte er uns bis über die Knie und es war unmöglich, immer pünktlich zum Unterricht zu erscheinen. Trotzdem habe ich meine Lehre erfolgreich  abgeschlossen.


Wendt und Kühn - Beate Zeun beim letzten Arbeitsschritt bei der Figurenfertigung - dem Bemalen des GesichtesWas hat sich bei Wendt und Kühn seit 1979 verändert?

Als ich anfing zu lernen, bestand der Betrieb noch aus den Grundgebäuden. Die Abteilungen waren kleiner als heute, eng aber gemütlich. 1983 und 1986 bekam ich meine beiden Kinder und arbeitete zwei Jahre in Heimarbeit. 1989 begann ich wieder im Betrieb, ja und dann kam die Wende. Die Manufaktur wurde nach und nach vergrößert, und auch unsere Arbeitsplätze wanderten sozusagen durch das ganze Haus. So arbeiteten wir zum Beispiel auch in den alten Wohnräumen des Fachwerkhauses, wo sich jetzt das Chefbüro befindet. Der größte Umzug war jedoch, als unsere Malerei wegen Bauarbeiten in der Manufaktur für ein paar Monate in den alten Güterbahnhof in Grünhainichen zog. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich wieder auf meinem alten Arbeitsplatz gelandet bin. Heute sitzen wir in schönen, hellen Arbeitsräumen, die nicht mehr mit den Standards der 70er Jahre vergleichbar sind.


Welche Arbeit machen Sie am liebsten bei Wendt und Kühn?

Natürlich Gesichter malen - obwohl ich zwischendurch auch gerne eine Figur von Anfang bis Ende bemale. Eine besondere Herausforderung und Freude ist es, wenn ich den großen Engeln ein Gesicht verleihen darf.


Worauf kommt es beim Bemalen der Gesichter besonders an?

Das Wichtigste beim Gesichtermalen ist der Pinsel. Er besteht aus Rotmarderhaar und muss eine ganz feine Spitze haben. Diese ist oft schon nach wenigen Wochen abgearbeitet. Das Gesicht wird in Höhe der Locken angesetzt und muss dann gleichmäßig ausgerichtet werden. Vor 30 Jahren wurde die Farbe für Augen und Mund noch aus einer braunen und dunkelblauen Ölfarbe gemischt. Seit etlichen Jahren wird nun eine einheitliche braune Farbe benutzt. Diese wird auf einer Fliese mit Terpentin und Sikkativ (zur schnellen Trocknung) vermischt und sofort aufgetragen. Die Wangenfarbe wird aus unseren Spirituskopalfarben direkt in der Werkstatt gemischt.


Wendt und Kühn - Beate Zeun hat das Gesichtermalen noch bei Olly Wendt gelerntErkennen Sie die von Ihnen gemalten Gesichter?

Ja, ich erkenne sie alle wieder. Man sieht die kleinen Eigenheiten, die jeder Gesichtermaler hat - jeder hat eben seine eigene Handschrift und versucht den Figuren ein besonders liebevolles Gesicht zu verleihen.


Haben Sie noch Erinnerungen an Grete und Olly Wendt?

Grete Wendt habe ich leider nicht mehr gekannt, aber an Olly Wendt kann ich mich noch genau erinnern. Sie hat mir persönlich das Gesichtermalen beigebracht - und sie hat mir ihre Liebe zur Arbeit weitergegeben. Olly Wendt war eine sehr liebenswürdige und nette Frau. Ich hatte es gern, wenn sie aus alten Zeiten erzählte. Auch an einen Geburtstag von Olly Wendt kann ich mich noch genau erinnern. Sie konnte damals den Weg in die Werkstätten nicht mehr bewältigen. Also besuchten wir sie in ihrer kleinen, gemütlichen Wohnung. Hier saß die alte weißhaarige Frau inmitten eines Blumenmeeres. Und so feierten wir gemeinsam bei einer gemütlichen Runde Eierlikör ihren Geburtstag.


Sammeln Sie selbst die Figuren von Wendt und Kühn?

Natürlich! Ich habe eine ganze Vitrine voller Wendt und Kühn Figuren. Auch wenn ich die Engel den ganzen Tag um mich habe, kann ich selbst zu Hause nicht genug davon bekommen. Den Auftakt meiner Sammlung bildete ein kleines Paar reich bemalter Engel, das ich als mein erstes Weihnachtsgeschenk von Wendt und Kühn bekam. Ich erhielt es mit der Post, weil ich im ersten Lehrjahr in Seiffen wohnte. Ich war sehr überrascht und habe mich riesig gefreut!

 

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