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Alles kommt vom Bergwerk her


Untrennbar sind sie miteinander verbunden - das Erzgebirge und der Bergbau. Das Erz, das in den Tiefen des Landstrichs verborgen lag, gab dem Gebirge seinen Namen. Eisen und Zinn, Kupfer und Kobalt, vor allem aber das wertvolle Silber brachten der Region Wohlstand und Ansehen. Prächtige Bergstädte gelangten zur Blüte und schmückten sich mit mächtigen Kirchen und prachtvollen Gebäuden.

 

 

Untrennbar sind sie miteinander verbunden - das Erzgebirge und der Bergbau - Wendt und Kühn.

Der Bergmann ist als Symbolfigur für den Bergbau fest in der erzgebirgischen Kultur verwurzelt. In der Volkskunst tritt er oft in Begleitung des Engels auf, der die treue und liebende Frau des Bergmanns darstellt, die bei seiner Heimkehr aus dem tiefen, dunklen Stollen auf ihn wartete und ihn mit einem hellen Licht begrüßte - sein Lichtblick im wahrsten Sinne des Wortes. Bis heute pflegen die Menschen in der Region die Tradition, in der Weihnachtszeit Bergmänner und Engel ins Fenster zu stellen - so viele Engel, wie Mädchen in der Familie leben, und so viele Bergmänner wie Jungen.

 

 

 

 

Auch Grete Wendt war mit diesem Brauchtum vertraut - war sie doch in Grünhainichen aufgewachsen, einem schon damals weithin bekannten Dorf im Erzgebirge. Große Verleger vertrieben von hier aus die Volkskunst aus dem Erzgebirge in die ganze Welt, die Gewerbeschule, deren Direktor Grete Wendts Vater Albert war, vermittelte handwerkliche Fertigkeiten neben kulturellen Traditionen. Grete Wendt hatte dieses Wissen verinnerlicht und verfeinerte ihre Sinne beim Kunststudium an der Dresdner Kunstgewerbeschule. Bei Professorin Margarete Junge lernte sie die Volkskunst als eine Säule der modernen Reformkunst kennen und schulte ihren kunstwissenschaftlichen und ästhetischen Blick auf die handwerklichen Traditionen ihrer Heimat. In traditioneller Tracht und zu stimmungsvoller Musik ziehen die Bergbrüderschaften durch die Straßen - Wendt und Kühn.Ausgestattet mit diesem ganz besonderen Wissen und außergewöhnlichen künstlerischen Fähigkeiten gelang es ihr, die Volkskunst als Grundlage in ihre Entwürfe zu integrieren, sie jedoch gleichzeitig weiterzuentwickeln und auf ein neues, bisher noch nie dagewesenes Niveau zu heben. Und so atmet Grete Wendts Bergmann zwar die Traditionen des Erzgebirges, zeugt jedoch von einer ganz neuen gestalterischen Qualität: Mit bewusst gesetzten Anschnitten, einer aufwendig gefertigten Hose und Haube und dem unverwechselbaren Gesicht verströmt ihr Entwurf eine beinahe lebendige Anmut. Grete Wendt entwarf 1912 - drei Jahre vor der Firmengründung - zunächst drei kleinere Bergmänner, bevor sie das 30 Zentimeter große Prachtexemplar mit zwei Lichtnäpfen schuf. Nach sechzig Schlummer-Jahren im großen Musterschatz ist die repräsentative Figur seit Mai als eine Rarität wieder im Sortiment.

 

Rings um den Bergbau gestaltete sich auch das private Leben im Erzgebirge. Daraus hervorgegangen sind zahlreiche Traditionen und Bräuche, welche bis heute von Jung und Alt gepflegt werden - mit Bergparaden und Hutzenabenden, speziellen Gerichten und Festen und mit einer Handwerkskunst, die weltweit einmalig ist.

 

Die Bergparaden sind ein besonderes Glanzlicht und bilden den Höhepunkt vieler Weihnachtsmärkte im Erzgebirge. In traditioneller Tracht und zu stimmungsvoller Musik ziehen in der Vorweihnachtszeit an vielen Orten die Bergbrüderschaften durch die beleuchteten Straßen - von Annaberg bis Freiberg, von Schneeberg bis Seiffen. Über 500 Trachtenträger präsentieren bei den Großen Bergparaden ihre Tradition. Die Habits der Bergleute - so nennt man die Trachten - sind aufwändig gestaltet und reich verziert. Farbe und Form von Jacke, Hose und Mütze zeigen, welche Tätigkeit der Träger ausführte und welcher Hierarchiestufe er angehörte. Geschneidert werden die aufwendigen Uniformen in einer Maßschneiderei in der Bergstadt Marienberg, einer der wenigen in ganz Deutschland, die diese hohe Handwerkskunst noch beherrscht. Der festliche Aufzug der Bergleute zu den feierlichen Klängen der verschiedenen Bergmusikkorps zieht an jedem Adventswochenende Tausende Besucher in die Bergstädte – die Große Bergparade in Annaberg-Buchholz kurz vor Heiligabend verfolgen jährlich bis zu 30.000 Besucher.

 

Die Erzgebirgsgemeinde Seiffen mit ihrer festlich angestrahlten, berühmten kleinen Bergkirche im weihnachtlichen Glanz - Wendt und Kühn.

Bild oben: Unverwechselbares Panorama: In den Abendstunden zeigt sich die Erzgebirgsgemeinde Seiffen mit ihrer feierlich angestrahlten, berühmten kleinen Bergkirche im weihnachtlichen  Glanz.

 


Nach dem Trubel findet man Ruhe und Entspannung in den Bergkirchen des Erzgebirges. Große und prächtige sind darunter wie der Bergmannsdom in Schneeberg, aber auch kleine, beschauliche wie die Bergkirche St. Marien direkt am Annaberger Marktplatz, die 1502 im Auftrag der Bergleute des Annaberger Reviers errichtet wurde. Als größten Schatz hütet sie eine bergmännische Krippe aus 32 geschnitzten, etwa 1,20 Meter großen Holzfiguren. Die Bergkirchen pflegen die bergmännischen Traditionen der Region - zum Beispiel mit Gottesdiensten in erzgebirgischer Mundart. Die wohl bekannteste Bergkirche steht im Spielzeugdorf Seiffen. Das spätbarocke Gotteshaus mit dem markanten achteckigen Grundriss wurde nach dem Vorbild der Dresdner Frauenkirche gebaut und diente einst den Seiffener Bergleuten für ihre Quartalsgottesdienste. Heute zählt die kleine Schwester der Dresdner Frauenkirche zu den berühmtesten Kirchen der Welt - nicht zuletzt auch dank der zahlreichen Spielzeugmacher des Ortes, die sie immer wieder auf Schwibbogen und Pyramiden, in Kurrenden und weihnachtlichen Szenerien verewigen.

 

Die Holzkunst, für die das Erzgebirge rund um den Globus bekannt ist, ist weltweit einmalig. Und sie ist untrennbar mit dem Bergbau verbunden. Oft wird die Kunde weitergetragen, dass sich die Bergleute nach dem Niedergang des Bergbaus dem Schnitzen und Drechseln zuwandten, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu sichern. Doch die Entwicklung von Holzbearbeitung und Bergbau verlief jahrhundertelang parallel. Zum Abstützen der Stollen wurden starke Holzbalken benötigt, viele Werkzeuge und Nutzgegenstände der Bergleute waren aus Holz. Und auch die Glasbläserei, die sich aufgrund des Holzreichtums in der Region entwickelte, leistete ihren Beitrag zur Entstehung der Drechselkunst: Die Formen der Glasbläser waren aus Holz, von innen hohl gedreht - eine wahre Kunst, die bis heute fortgeführt wird, zum Beispiel im Hohldrechseln von Spieldosen. Auch bei Wendt & Kühn.

 

Das Reifendrehen gibt es nur im Erzgebirge - Wendt und Kühn.Als sich die Erzvorräte dem Ende zuneigten, nutzten viele Menschen im Erzgebirge die Fähigkeiten zur Holzbearbeitung, die sie sich durch die Arbeit im Bergbau angeeignet hatten. Die Spielzeugherstellung entwickelte sich zu einer wichtigen Einkommensquelle in der Region. Ganze Spielzeugdörfer entstanden, eines der bekanntesten davon ist bis heute Seiffen. Das technische Können, das die Erzgebirger seit Jahrhunderten kultiviert hatten, brachten sie auch in die Herstellung der Holzfiguren ein. So entwickelten sie die weltweit einmalige Kunst des Reifendrehens, das es so nur im Erzgebirge gibt. Mit geschultem Blick und sicherer Hand verleiht der Reifendreher dabei einem hölzernen Ring mit Hilfe eines Drechseleisens ein Profil. Beim Aufschneiden des Rings spalten sich – vorstellbar wie beim Schneiden eines Brotlaibs - kleine „Scheibchen" ab, die die Form des gedrechselten Profils freigeben: Schafe oder Ziegen, Kühe, Pferde, Elefanten – das berühmte Seiffener Reifenvieh. Von Hand beschnitzt und oft naturgetreu bemalt, ging es jahrhundertelang in alle Welt - und so ist es noch immer. Heute kann man die einzigartige Kunst des Reifendrehens fast täglich im Seiffener Freilichtmuseum erleben.

 

Hunderte Kunsthandwerker im Erzgebirge pflegen das alte Handwerk nicht nur, sie erfüllen es mit Leben. Sie leben dafür, damit und davon - so werden Traditionen nicht nur bewahrt, sondern weiterentwickelt und in die Zukunft geführt. Eine Vielzahl der Figuren, die das Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge hervorbringt, haben ihre Wurzeln im Bergbau: Neben dem Bergmann und seinem Begleiter, dem Engel, gehen auch Schwibbogen und Buckelbergwerke auf bergmännische Traditionen zurück. Das wohl bekannteste Schwibbogenmotiv ist der Schwarzenberger Bogen, auf dem zwei Bergmänner, ein Schnitzer und eine spitzeklöppelnde Frau zu sehen sind - unter einem typisch erzgebirgischen Deckenleuchter, der Spinne, wie sie heute wieder als Rarität bei Wendt & Kühn gefertigt wird. In hochentwickelten mechanischen Schwibbogen bewegen sich unzählige Teile und Figuren in filigranen Miniaturbergwerken, und auch auf Pyramiden drehen Bergmänner und Bergmusikanten ihre Runden. Die spitze Form der Stabpyramide ist übrigens einer bergbautechnischen Anlage nachempfunden: dem Pferdegöpel, der, meist von 2 PS betrieben, Erz und Wasser aus den Tiefen nach oben beförderte. Einen solchen Pferdegöpel kann man noch heute in Lauta bei Marienberg in Funktion erleben.

 

800 Jahre lang beherrschte der Bergbau das Leben in der Region - und seine Spuren sind bis heute so stark ausgeprägt, dass sich die Montanregion Erzgebirge um den UNESCO Welterbetitel bewirbt. Die Traditionen des Bergbaus und lebendiges Brauchtum machen das Erzgebirge einzigartig: Gemütliche Hutzenabende, bei denen man sich in der Vorweihnachtszeit zum gemeinsamen Schnitzen, Plaudern und Geschichtenerzählen trifft; das berühmte Neunerlei aus Linsen und Bratwurst, Klößen und Gans, Sellerie und Bratapfel, das neun gute Wünsche fürs neue Jahr verkörpert; der Erzgebirgische Stollen, der dank vieler Rosinen und einer dicken Zuckerkruste ganz besonders saftig schmeckt; Bergparaden und Berggottesdienste, Klöppeln und Kunsthandwerk - sie alle haben einen unmittelbaren Bezug zu den bergmännischen Traditionen des Erzgebirges, denen Grete Wendt mit ihrem großen Bergmann ein einzigartiges Denkmal setzte.

 

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