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Albert Wendt - Gründervater und visionärer Pädagoge


Wendt und Kühn - Albert Wendt, Schuldirektor und Gründervater

Der Name Grete Wendt, der begnadeten Künstlerin und Schöpferin vieler unserer Figuren und Spieldosen, ist untrennbar mit der Geschichte unserer Manufaktur verbunden. Heute möchten wir Ihnen in unserem historischen Rückblick einen Mann vorstellen, der von Anfang an die Gründerin unserer Werkstätten mit Rat und Tat begleitete und ohne den es die Firma Wendt und Kühn wohl nie gegeben hätte. Einen Mann, der das Talent von Grete Wendt erkannte und von frühester Jugend an förderte und der sie vor allem in dem Entschluss bestärkte, sich mit einer eigenen Firma selbstständig zu machen. Es war ihr Vater Albert Wendt, Direktor der Spielwarenfach- und Gewerbeschule in Grünhainichen. Hineingeboren in die Welt des Handwerkes war Grete schon als Kind in den Räumen der Gewerbeschule heimisch; sie bastelte und ließ die Eindrücke von Formen und Farben auf ihre Sinne wirken. Mit großer Aufmerksamkeit verfolgte sie die Arbeiten der Schüler ihres Vaters, wurde jedoch selbst nie von ihm in der Gewerbeschule unterrichtet.


Albert Wendt half seiner Tochter, wo er nur konnte. So auch bei der Wahl, dem Kauf und der ersten Ausrüstung des alten Fachwerkgebäudes, eines alten Verlegerhauses, das als Firmensitz zum bekannten Engelhaus werden sollte.


Wendt und Kühn - Schulklasse der Gewerbefachschule, ganz links steht Grete WendtIn jenem Fachwerkhaus, das wohl zu den schönsten im ganzen Ort gehört, befindet sich noch heute die Verwaltung, der Versand und vor allem der Ausstellungsraum der Firma Wendt und Kühn mit seinem berühmten großen Musterschrank. Dieser geheimnisvolle Schrank existierte bereits in den 1920er Jahren und birgt in seinem Inneren viele Figuren und Spieldosen, die seit der Firmengründung entstanden sind.


Nach dem Kauf des Hauses und der Ausrüstungen waren die Mittel erschöpft, auch wenn das junge Unternehmen von Grete Wendt größte Sparsamkeit walten ließ. Oft hat der Vater an Lohnzahltagen den Weg zur Sparkasse angetreten, um dem kleinen Kreis der Mitarbeiter aus seinen zäh ersparten Rücklagen den verdienten Lohn zahlen zu können. Dieser Gang zur Sparkasse, den er auch in den nächsten Jahren so manches Mal zurückgelegt hat, ist ihm niemals schwer und mühsam geworden. Voller Stolz und stiller Freude durfte er, in allen Fragen und Entscheidungen bedacht und besonnen mitwirkend, den Aufstieg der kleinen Werkstätten zur führenden Firma miterleben.


Die Chronologie seines Lebens


Albert Wendt wurde 1851 als viertes von acht Kindern eines Drechslermeisters in Freienwalde/Pommern geboren. In seinem Elternhaus erlernte er zunächst das väterliche Handwerk mit all seinen verwandten Zweigen. Damit begann sein Interesse und die starke Neigung für Technik und Formgestaltung - ein wesentlicher Grundstein für den späteren Beruf. Von 1868 bis 1871 besuchte er das Lehrerseminar in Pölitz bei Stettin und war nach seiner Militärzeit in seinem pommerschen Heimatort als Lehrer tätig. Im Jahre 1876 heiratete er und gab ein Jahr später seinen Lehrerberuf auf, um an der Gewerbeakademie und der Kunstakademie in Berlin zu studieren. Albert Wendt legte dort sein Staatsexamen ab und wurde 1879 als Lehrer in Jüterbog angestellt, wo er an der Mittelschule, der Präparandenanstalt und an der Regimentsschule unterrichtete.


Wendt und Kühn - Die Schule in einer historischen AufnahmeVon dort aus ging er ins Erzgebirge und nahm am 1. Juli 1884 seine Tätigkeit an der 1874 in Grünhainichen gegründeten Fachgewerbeschule für Spielzeugmacher auf. Seinerzeit hätte man sicher nicht geglaubt, dass er fast ein ganzes Leben - 35 Jahre lang - diese Schule leiten würde. Mit seiner Frau Hedwig bezog er eine Wohnung im Schulgebäude, das 1879 neu errichtet worden war.


In seiner Funktion als Schulleiter lag ihm nicht nur die gute Ausbildung der jungen Menschen am Herzen, sondern er hat sich auch mit großem Engagement in alle Zweige der hier im Erzgebirge ansässigen Industrie hineinvertieft. Kaum ein Unternehmen in der Umgebung war ihm fremd.


Wendt und Kühn - Der Gewerbeschulanbau in einer historischen AufnahmeUnermüdlich versuchte er, neue Arbeitsmittel und -methoden zu finden. Dazu gehörten auch seine steten Bemühungen für die Einführung der Elektrizität im hiesigen Spielwarenbezirk. Ihm war klar, dass die Leistung der damals vorrangig mit Hand betriebenen Maschinen ohne die Nutzung neuer Kraftquellen kaum zu steigern war. Im Einsatz von Elektromotoren sah er dafür die geeignete Lösung. Doch die Überzeugung der Handwerker erwies sich als recht schwieriges Unterfangen. Manch Kleingewerbe-treibender wollte vom Fortschritt nichts wissen und reagierte mitunter sogar boshaft. Einmal 'bugsierte' ihn eine Frau aus dem Nachbarort mit den Worten vor die Tür: "Was, Sie wollen mir den Teufel ins Haus holen? Daraus wird nischt!"


Aber es wurde doch etwas daraus: So gelang es Albert Wendt schließlich, die Grünhainichener zu begeistern und bis 1895 errichtete Siemens & Halske für Grünhainichen eine Elektrizitäts-Centrale, die vierte in ganz Sachsen.


Wendt und Kühn - Auszug aus dem Schreiben über die Errichtung Elektrizitätswerkes an der Flöha in GrünhainichenGeneratoren, verbunden mit einer Dampfmaschine, versorgten von nun an für die nächsten 30 Jahre Grünhainichen mit Strom. 15 Holzwarenhersteller und Handwerker sowie 12 Verlagsgeschäfte wurden im ersten Jahr mit der Centrale verbunden. Außerdem installierte man 30 Laternen zur Straßenbeleuchtung. Dass es in Grünhainichen 'hell wurde', war also auch der Verdienst von Albert Wendt.


Ebenso wurde in die Fachschule investiert: 5000 Reichsmark standen bereit, um die Elektrik einzubauen und moderne Arbeitsmaschinen zu kaufen. Zudem wurde die Gewerbeschule um die Jahrhundertwende mit einem Anbau erweitert.


Um die Verbindung zwischen der Fachschule und den Belangen der Grünhainichener Produzenten noch enger zu knüpfen, wurde ein Fachschulausschuss geschaffen. Dadurch erhielt die Schule neben dem Unterrichten u.a. auch die Aufgabe, Spielwarenmuster für die ortsansässigen Handwerker zu entwerfen, die anschließend produziert wurden. Den Kontakt zur Wirtschaft pflegte Albert Wendt 34 Jahre lang über den örtlichen Gewerbeverein, der in seiner Blüte ca. 400 Mitglieder hatte.


Wendt und Kühn - Der Maschinensaal der Gewerbefachschule (Albert Wendt ganz links)Obwohl er seine Schultätigkeit schon früher aufgeben wollte, füllte er auf Bitten des Ministeriums dieses Amt noch in der schweren Zeit bis zum Ende des 1. Weltkrieges aus. Erst 1919 ging 'der alte Herr Direktor', wie er liebevoll im Ort genannt wurde, in den wohlverdienten Ruhestand. Seine Arbeit und die Erfolge als Direktor der Grünhainichener Fachschule hatten Albert Wendt Anerkennung und Achtung nicht nur in der Region, sondern auch bei der damaligen Regierung und den Gewerbetreibenden gesichert. Er hatte viel geleistet und erreicht und so erlebte Albert Wendt auch große Dankbarkeit und Treue bei jenen Menschen, denen er Lehrer, Berater und Freund war. Die Staatliche Spielwaren- und Gewerbeschule wurde im August 1954 nach 80-jährigem Bestehen geschlossen.


Die Ausbildung eigenständiger Gewerbetreibender vertrug sich nicht mehr mit der nun herrschenden Ideologie. Kurze Zeit diente das Gebäude als Berufsschule und von 1958 bis 1992 als Grundschule. Im Hintergebäude erhielten die Grünhainichener Schüler noch bis 1989 Werkunterricht. Und wie könnte es anders sein, auch dabei spielte der Rohstoff Holz eine sehr wichtige Rolle. Heute beherbergt das Gebäude ein Museum für Erzgebirgische Volkskunst und die Gaststätte 'Zur Alten Gewerbeschule'.


Wendt und Kühn - Albert Wendt mit Enkelsohn Hans WendtAlbert Wendt stand auch im Ruhestand seiner Tochter Grete und seinem Sohn Johannes, der 1919 die kaufmännische Leitung von Wendt und Kühn übernommen hatte, bis zu seinem Tod am 16. August 1932 stets mit Rat und Tat zur Seite. Das Bewusstsein, dass seine Ziele und Grundsätze, die er ein Leben lang verfocht, im Betrieb seiner Kinder auf fruchtbaren Boden gefallen waren, war ihm Dank und Anerkennung zugleich. Grete Wendt ehrte ihren Vater anlässlich seines Begräbnisses mit folgenden Sätzen: "Alles, was Du tatest, tatest Du um der Sache selbst willen. Auf ein Gedenkblatt schriebst Du mir einmal:
 

'Jeder Mensch ist in seinem Leben nicht das wert, was er hat, sondern das, was er der Welt nutzt.'

Selbstlose Hingabe an eine Sache, das war Deine Art. Deshalb warst Du geachtet und geliebt in diesen Bergen von allen, die guten Willens sind."

 

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